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14.10.2019, 09:33 Uhr

„Die Herausforderung ist gigantisch“

Im Kreis Warendorf sind derzeit so viele Menschen wie noch nie in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Auch die Zahl der Menschen, die aktuell arbeitslos sind, ist rekordverdächtig niedrig.  Eine komfortable Situation für die Region. Dennoch gibt es einiges zu tun, damit die Lage am Arbeitsmarkt auch in Zukunft positiv bleibt. Das verdeutlichte Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster jetzt in einem Gespräch mit zwei Landtagsabgeordneten.

„Wir müssen die Herausforderungen jetzt angehen und können nicht abwarten“, verdeutlicht der Arbeitsmarktexperte gegenüber seinen Gästen, den CDU Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier und dem FDP Landtagsabgeordneten Markus Diekhoff.

Denn eine der wohl größten Aufgaben sieht der Leiter der Arbeitsagentur in der demografischen Entwicklung. „In den kommenden zehn bis zwanzig Jahren, wird ein Großteil der aktuell beschäftigten Personen in den Ruhestand gehen und damit am Arbeitsmarkt fehlen. Junge Leute kommen aber nicht in ausreichender Zahl nach“, prognostiziert er.

Für die Region bedeutet das, dass Fachkräfte in ganz vielen Bereichen fehlen werden, so dass es für alle Menschen spürbar wird. „Es muss daher unsere Aufgabe sein, schon jetzt möglichst viele Fachkräfte zu gewinnen und bislang ungelernte zu einem Berufsabschluss zu verhelfen.“ So investiert die Agentur intensiv in die Qualifizierung und Weiterbildung von Menschen, nicht nur im Falle der Arbeitslosigkeit, sondern auch, wenn diese noch in Beschäftigung stehen. „Hier hat uns die Politik neue und wichtige Möglichkeiten gegeben“, lobt Fahnemann mit Blick auf das seit Januar 2019 geltende Qualifizierungschancengesetz.


Für Daniel Hagemeier ist die Weiterbildung und Qualifizierung von un- oder angelernten Menschen ein wichtiges Element. Er sieht aber auch in der Ausbildung junger Menschen einen wichtigen Baustein: „Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen ist extrem wichtig, um sie als Fachkräfte in der Region zu halten. Oftmals ist es für die jungen Menschen allerdings nur schwer möglich, den Ausbildungsplatz zu erreichen. Daher müssen wir den öffentlichen Nahverkehr weiter ausbauen!“

Eine weitere Herausforderung sieht Fahnemann in der Digitalisierung. „Nahezu jeder Arbeitsplatz wird sich durch die Digitalisierung verändern. Für die Menschen in diesen Berufen bedeutet dies, sich immer wieder anzupassen. Daher müssen auch die Unternehmen in die Weiterbildung dieser Menschen investieren.“ Für Markus Diekhoff ist damit ein Umdenken erforderlich: „Die Herausforderung ist gigantisch. Vieles in der Berufsbildung muss überdacht und neu ausgerichtet werden.“

Für Fahnemann ist klar, dass die Bundesagentur für Arbeit sich diesen Herausforderungen stellt: „Wir sind aber nur einer von vielen Akteuren. Hier ist auch die Politik gefragt.“ Die beiden Gäste konnten dazu viele Anregungen und Eindrücke mitnehmen, um das Thema weiter zu diskutieren.