Plenarrede am Donnerstag, 15. Oktober 2026 TOP 14: Willkommen im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen
Plenarrede Daniel Hagemeier MdL:
Willkommen im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen – internationale Gesundheitsfachkräfte schneller in die Versorgung bringen
Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
Drucksache 18/21618
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
stellen Sie sich bitte Folgendes vor:
Sie haben einen Gesundheitsberuf erlernt.
Sie bringen Erfahrung mit.
Sie lernen eine neue Sprache.
Sie ziehen mit Ihrer Familie nach Nordrhein-Westfalen.
Sie wollen hier leben und arbeiten.
Und dann warten Sie.
Auf die Anerkennung Ihres Abschlusses.
Auf eine Rückmeldung.
Auf Klarheit darüber, wann Sie Ihren Beruf wieder ausüben dürfen.
Gleichzeitig werden Ihre Fähigkeiten dringend gebraucht.
Im Krankenhaus.
In der Pflegeeinrichtung.
In der Praxis nebenan.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
das ist leider die Realität des Alltags. Gleichzeitig altert unsere Gesellschaft mit der Folge, dass sowohl die medizinische als auch die pflegerische Versorgung aus naheliegenden Gründen zunimmt.
Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn gerade der Gesundheitsbereich ist ein wesentlicher Teil der dem Staat obliegenden Daseinsvorsorge.
Deshalb beraten wir heute den vorliegenden Antrag von CDU und Bündnis 90/Die Grünen.
Internationale Gesundheitsfachkräfte tragen schon heute wesentlich zu unserer Versorgung bei. Sie wissen, dass Gesundheit viele Aspekte hat. Physische wie psychische, dabei ist die empathische Zuwendung mit entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden.
In der Pflege hat inzwischen rund jeder fünfte Beschäftigte eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die jeden Tag Verantwortung übernehmen.
Für unsere Eltern.
Für unsere Kinder.
Für uns alle.
Wer sich für Nordrhein-Westfalen entscheidet, soll hier deshalb noch verlässlicher Orientierung und klare Perspektiven finden. Und das beginnt bereits beim Anerkennungsverfahren. Unser Land hat hier bereits wichtige Verbesserungen angestoßen und umgesetzt.
Bei den Anforderungen an Unterlagen.
Bei der Digitalisierung.
Und mit der Zentralen Anerkennungsstelle für Gesundheitsberufe bei der Bezirksregierung Münster haben wir eine zentrale Anlaufstelle. Auch leisten die Kammern engagiert einen wesentlichen Beitrag zur Berufsanerkennung. Daran knüpfen wir an. Denn aus Gesprächen mit Betroffenen wissen wir, wo Optimierungspotential besteht:
Es gibt noch zu umfangreiche, zeitlich verzögerte Abläufe.
Zu oft besteht Unklarheit über Bearbeitungsstände.
Je nach Vorgang gibt es wechselnde Ansprechpartner.
Oft kommen auch Schwierigkeiten beim Einstieg in die berufliche Praxis dazu.
Das kostet Zeit und Kraft.Es belastet Familien. Und es bedeutet, dass dringend benötigte Kenntnisse und Erfahrungen nicht im vollen Umfang und zum Wohle aller Beteiligten nutzbar gemacht werden können. Deshalb wollen wir an mehreren Stellen konkret weiterkommen.
Erstens: Die Verfahren müssen noch verständlicher und transparenter werden.
Wer einen Antrag stellt, sollte jederzeit nachvollziehen können:
Wo steht mein Verfahren?
Was fehlt noch?
An wen kann ich mich wenden?
Deshalb wollen wir die Digitalisierung voranbringen und digitale Statusübersichten prüfen. Mehrsprachige Informationen und verständliche Formulare sollen den Zugang erleichtern.Davon profitieren im Ergebnis alle – auch die Beschäftigten in den Behörden.
Zweitens: Wir wollen den Übergang in die Versorgung verbessern.
Eine erfolgreiche Anerkennung ist entscheidend.
Aber anschließend müssen die Menschen auch tatsächlich im Beruf ankommen. Deshalb sollen Möglichkeiten für Hospitationen und Praxiseinstiege geprüft werden. Ebenso Vorbereitungskurse auf Kenntnisprüfungen und Einführungsangebote:
Wie funktionieren Dokumentation, Kommunikation und Arbeitsabläufe in unserem Gesundheitswesen?
Auch beim Einsatz von Ärztinnen und Ärzten mit Berufserlaubnis brauchen wir klarere Regelungen. Die notwendigen Prozesse hierfür wollen wir Anstoßen.
Drittens: Wir wollen vorhandene Kompetenz besser einbinden.
Dazu gehören die Gutachterkapazitäten und die Zusammenarbeit mit den Kammern. Dazu gehört auch die Prüfung, wie Verfahren bundesweit stärker vereinheitlicht werden können. Für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie brauchen wir zudem außerdem zeitgemäße Berufsgesetze.
Bei all diesen Schritten gilt:
Patientensicherheit, Qualität und Rechtssicherheit müssen dabei gewährleistet sein.
Gleichzeitig widmen wir uns noch stärker den Anliegen der Familien. Denn wer dauerhaft bleiben soll, braucht Unterstützung beim Ankommen. Verlässliche Ansprechpartner und gute Beratung gehören selbstverständlich zu einer wirklichen Willkommenskultur dazu.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dieser Antrag verbindet Wertschätzung mit konkreten Verbesserungen.Wir wollen, dass qualifizierte Menschen ihre Fähigkeiten schneller zum Wohle der Menschen und unseres Gesundheitswesens einbringen können. Und dass insbesondere Patientinnen und Patienten davon in der Praxis ganz konkret profitieren.
Mit dem vorliegenden Antrag von CDU und Grünen setzen wir hierfür die richtigen Impulse: im Sinne der Menschen, um die es geht und für die Zukunft des Gesundheitsstandorts Nordrhein-Westfalen.
Ich bitte Sie deshalb um Ihre Zustimmung.
Vielen Dank.