Runter von der Bremse beim modularen Bauen
CDU-Landtagsabgeordneter Daniel Hagemeier informiert sich bei BOLLE in Telgte über Potenziale und regulatorische Hürden
Wohnungsbau, Schulsanierungen, modernisierte Kasernen: Serielles und modulares Bauen könnte ein entscheidender Hebel sein, um schneller und günstiger Lösungen bei den drängenden Fragestellungen im Bausektor zu schaffen. Doch derzeit bereiten die planerischen Rahmenbedingungen den Unternehmen noch Kopfzerbrechen. Bei einem der großen Akteure in diesem Sektor – der BOLLE System- und Modulbau GmbH in Telgte – machte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Hagemeier jetzt ein Bild von den Möglichkeiten, die diese Branche bietet und welche flankierenden Maßnahmen sich die Unternehmen von Politik und Verwaltung wünschen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern.
Bei einer Werksbesichtigung zeigte die BOLLE-Führung – v.l. Geschäftsführer Raphael Bruns und Niklas Bolle sowie Markus Bosse, Leiter Planung – dem CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier (2.v.l.), was im Modulbau inzwischen möglich ist.Vom Container zum Qualitätsmodul
Eines stellten die Geschäftsführer Niklas Bolle und Raphael Bruns sowie Markus Bosse, Leiter Planung, direkt zu Beginn klar: „Hochwertiger Modulbau hat nicht mehr viel mit den Container-Notlösungen früherer Zeiten zu tun“, betonten sie. Zwar gebe es bei BOLLE auch das Leihgeschäft für temporäre Einsätze, zum Beispiel auf Baustellen – eine ebenso wichtige Rolle komme inzwischen aber dem dauerhaft genehmigungsfähigen modularen Bauen zu. Welche Expertise BOLLE als größter Modulbauer der Region auf diesem Gebiet mit rund 300 Angestellten erworben hat, zeigt ein Blick auf die eindrucksvolle Liste der Referenzprojekte: Ob moderne Schulstandorte in Aurich und Emden, ein Seminargebäude an der RWTH Aachen oder Büro- und Kauengebäude für einen Industriestandort in Gelsenkirchen – gemeinsam ist allen Projekten eine hohe bauliche Qualität bei schneller Montagegeschwindigkeit. Dank des hohen Vorfertigungsgrades am Standort Telgte sind die Einschränkungen im laufenden Betrieb für die Kunden so gering wie möglich.
Wo Bürokratie den Zeitvorteil aufhebt
Doch bei näherer Betrachtung, so machte die Geschäftsleitung deutlich, könnte der Modulbau noch deutlich leistungsfähiger – vor allem schneller – sein. „Wir haben ein Nadelöhr bei der Regulatorik“, machte Bruns deutlich und erläuterte den Hintergrund: Derzeit gelte modulares und serielles Bauen mit Raumzellen noch als „ungeregelte Bauweise“. Das habe den Effekt, dass für jedes Projekt erst einmal eine „vorhabenbezogene Bauartgenehmigung“ eingeholt werden müsse – ein zumeist langwieriger Zulassungsprozess, der in NRW über ein Jahr dauern könne und damit den Zeitvorteil, den diese Bauweise eigentlich bietet, direkt wieder aufhebe. „Wenn wir das serielle Bauen wirklich als Lösungsweg etablieren wollen, dann müssen wir diese Bremsen lösen“, betonte Niklas Bolle. „Zumal wir in diesem Bereich in Europa führend sind. Wir könnten in Deutschland eine leistungsstarke Zukunftsbranche aufbauen, wenn wir Gas geben!“
Wege aus der ungeregelten Bauweise
Deshalb arbeite die Branche schon seit einiger Zeit an Lösungsmöglichkeiten, referierte Raphael Bruns, der als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Bausysteme e.V. sowie als aktives Mitglied des Forschungs- und Technologiezentrums im Cluster „Bauen“ der RWTH Aachen (CBI) intensiv in Gesprächen mit anderen Herstellern und Expertenteams ist. Die langfristig notwendigen Entwicklungen in der Regulatorik seien vorgegeben, so Bruns weiter. „In unseren Verbänden streben wir eine DIN-Normung an, um aus einer ungeregelten Bauart eine geregelte zu machen“, so der Fachmann. Für den kurzfristigen Nutzen dieser Bauweise bedürfe es jedoch einer Hilfestellung aus der Politik. Und diese könne aus den Landesbauaufsichten, vonseiten der Bundesregierung und sogar von der EU-Kommission kommen. „Affordable Housing ist ein Stichwort, das für ganz Europa gilt“, gab der BOLLE-Geschäftsführer zu bedenken. „Unsere Branche kann einen wichtigen Teil dazu beitragen, die Wohnungsbaukrise zu lösen.“
Schlüsselrolle für NRW
Große Möglichkeiten, den Knoten für die gesamte Branche zu durchschlagen, sieht die Geschäftsleitung in der Hand von NRW: Der NRW-Bauaufsicht komme eine Schlüsselrolle zu, nachdem das CBI bereits einen Planungsleitfaden für den Stahlmodulbau entwickelt habe, der ein wichtiger Schritt zur Standardisierung sein könnte. Jetzt sei es an der Politik, die praktikablen Lösungsansätze auch aufzugreifen. „Wir brauchen keine staatliche Förderung – aber wir brauchen beschleunigte Verfahren“, äußerte das Unternehmen seinen klaren Wunsch.
„Müssen ins Handeln kommen“
Daniel Hagemeier unterstützt diesen Ansatz: „Es ist wichtig, dass wir nicht immer nur über Entbürokratisierung reden – sondern auch ins Handeln kommen!“ Er versprach, das Thema mit in die entsprechenden Gremien nach Düsseldorf zu nehmen. Sein Fazit: „Ein sehr wertvoller Austausch zu einem drängenden Thema unserer Zeit.“
ZUM THEMA
Die BOLLE System‑ und Modulbau GmbH am Standort Telgte ist ein führendes Unternehmen im modularen und seriellen Bauen. Spezialisiert auf Stahl- und Holzmodulbau, realisiert BOLLE Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Verwaltung und Gewerbe – von einzelnen Raumzellen bis hin zu mehrgeschossigen Gebäuden. Das Unternehmen beschäftigt knapp 300 Angestellte und setzt auf schnelle Bauzeiten, hohe Vorfertigung und praxisnahe Lösungen für Kommunen und Industrie.